Christoph Scholder

Lesung: Oktoberfest
18.10.2010, Stadtschloss / Fachakademie

Christoph Scholder wurde 1967 in Tübingen geboren. Seinen ersten Krimi schrieb er im Alter von acht Jahren. Nach dem Studium der Soziologie, Philosophie und Psychologie lehrte er an verschiedenen Universitäten.
Oktoberfest" ist sein erster Roman.
Er lebt in München.
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© Christian Kaufmann, Fotografie

Interview mit Christoph Scholder zu „Oktoberfest“

Inspiration nach Stundenplan? Fehlanzeige! Der Autor im Gespräch über die Arbeit an seinem ersten Roman

Wo ist der rote Faden, der von einem Universitätsdozenten der Soziologie zum Autor eines durchaus harten Thrillers führt?

Christoph Scholder:: An deutschen Hochschulen lassen sich aus den unterschiedlichsten Gründen Mordphantasien entwickeln.

Sie haben ein beeindruckendes Wissen über Waffen, Kriegsschauplätze und Kriegsführung. Wie haben Sie hierfür recherchiert?

CS: Bibliotheken sind das wichtigste Hilfsmittel. Das Internet ist mit Vorsicht zu genießen, die Informationen sind nicht immer zuverlässig. Über die konkrete Recherche kann ich öffentlich nicht sprechen. Sie werden verstehen, dass ich meine militärischen und geheimdienstlichen Quellen schützen muss. Es gibt einen klassischen Satz des Agenten-Romans, der das gut beschreibt: „Ich könnte es Ihnen sagen, aber dann müsste ich Sie töten.“

„Oktoberfest“ ist sehr schnell getaktet, immer wieder werden die Handlungsstränge wie im Film gegeneinander geschnitten, bis sie sich berühren. Wer wäre Ihr Wunschregisseur bei einer Verfilmung und welche Filme sehen Sie selber gerne?

CS: Natürlich mag ich Action-Filme gerne. Aber die Unterschiede innerhalb des Genres sind gewaltig. Das wichtigste ist immer die Konfliktmotivation. Dadurch werden die Handlungen der Figuren nachvollziehbar, dadurch kann man sich mit den Figuren identifizieren, dadurch fiebert man mit. Die Action an sich kann zwar unter choreographischen Gesichtspunkten interessant sein, sie darf aber nicht zum Selbstzweck werden. Was die Verfilmung von Oktoberfest angeht, glaube ich nicht, dass die Geschichte mit Mitteln des europäischen Films adäquat realisierbar wäre. Die Filme von David Fincher sind in meinen Augen fast alle sehr gut gelungen. Er hat diese düstere Grundstimmung in seinen Bildern. Natürlich lässt es James Cameron immer gewaltig krachen, aber auch er hat oftmals eine beklemmende Enge in seiner Ästhetik, die mir gut gefällt. „The International“ von Tom Tykwer fand ich ebenfalls sehr beeindruckend. Der Rückbau des New Yorker Guggenheim-Museums durch exzessiven Schusswaffengebrauch – das macht ihm so schnell keiner nach.

Sie beschreiben sehr detailliert Stadtteile, Restaurants und Menschen in München. Wie ist Ihre Beziehung zu der Stadt, in der Sie leben? Und mit welchem Fußballverein fiebern Sie mit?

Christoph Scholder: Ich lebe seit über zwanzig Jahren in München. Würde es mir hier nicht gefallen, wäre ich schon längst woanders hin. Und inzwischen habe ich sogar persönlichen Kontakt mit echten Einheimischen aufgenommen. Ich mag die Mentalität. Bis ins 19. Jahrhundert wurden die Bayern als „räuberisches Bergvolk“ beschrieben. Da muss man sagen, dass sie große Fortschritte gemacht haben. Sie plündern die Zugereisten jetzt auch schon in der Ebene aus. Zum Thema Fußball werde ich mich nicht offiziell äußern, das ist vermintes Gelände. Da setzt man sich in München immer in die Nesseln, egal, was man sagt. Da wird man nur rot oder blau geschlagen.

Drei weitere Stichworte aus Ihrem Roman: Oldtimer, Oper, schöne Frauen. Haben Sie drei kurze Antworten dazu?

Christoph Scholder: Aristoteles hat gesagt, Schönheit sei das Empfehlungsschreiben der Natur. Wenn also eine Dame mit einem solchen Empfehlungsschreiben ausgestattet am Steuer eines 1964er Aston Martin DB5 neben mir anhielte und mich nach dem Weg zur Oper fragte, würde ich vermutlich antworten, dass das sehr kompliziert sei, ich sie jedoch gerne hinlotsen könne, wenn sie mich einsteigen ließe. Das würde ich wohl auch sagen, wenn ich den Weg zur Oper gar nicht wüsste.

Und wenn Sie das erste Exemplar Ihres Buches in den Händen halten, wohin geht es zum Feiern? In eines der französischen Restaurants, zum Italiener um die Ecke oder eine bayerische Wirtschaft?

Christoph Scholder: Ich denke, ein solches Ereignis ist mit einer einzigen Feier nicht angemessen zu begehen. Allerdings werde ich wohl zunächst zu meinem Lieblings-Franzosen gehen. Welcher das ist, werde ich hier jedoch nicht verraten. Es ist so schon schwer genug, dort einen Tisch zu bekommen.

Quelle: Droemer Verlag