Text und Musik durchdrangen sich gegenseitig

Wie Sebastian Seidel und Sophia Weidemann die Vision einer absoluten Ausdrucksmöglichkeit vorführten
Von Dr. Heinrich Lindenmayr

Eine Autorenlesung mit Musik, daran ist zunächst nichts Besonderes. Zum Ausklang des „Literaturherbst Krumbach 2017“ kam „Klavierkind“ zur Aufführung, der Theater-Monolog einer Mutter, mit ihrer Tochter am Piano, uraufgeführt beim 61. Deutschen Mozartfest 2012 in Augsburg. In Krumbach stand nun nicht eine Schauspielerin als Mutter auf der Bühne, es las der Autor selbst, Sebastian Seidel. Das war die erste Besonderheit.

Eine spannende Reise in die Zeit Martin Luthers

Asta Scheib las in der Apostelkirche über eine Zeit, „die unvorstellbar grausam war“.
Von Josef Osteried

„Diese Kirche ist besonders schön. Da kann man Sie beneiden.“ So begann Autorin Asta Scheib, Jahrgang 1939, Frau eines Pfarrers, und sie nahm ihre Zuhörer in der Apostelkirche, die bis auf den letzten Platz gefüllt war, auf eine Zeitreise mit: 500 Jahre zurück in die Zeit Martin Luthers.

Gewetzte Messer und zerlegte Schweinsköpfe

Verena Lugert ermöglicht in der Krumbacher Stadtbücherei einen Blick hinter die Kulissen der Haute Cuisine. Dort geht es nicht gerade zimperlich zur Sache.
Von Peter Wieser

„Die Irren mit dem Messer“ – der Titel des Buches von Verena Lugert macht neugierig. Dass es in den hohen Küchen nicht gerade zimperlich zugeht, soll ja bekannt sein. Doch wie ist das wirklich?

Keiner wird zum Verbrecher geboren

Wolfgang Burger versieht die Figuren in seinen Krimis mit einer Persönlichkeit
Von Elisabeth Schmid

Ein grausamer Mord an einem Kollegen ruft den Kriminaloberrat Alexander Gerlach westlich von Heidelberg an einen Tatort. Wolfgang Burger las in der Bibliothek in Krumbach, auf Einladung der Stadtbücherei und dem ABC Büchershop, aus seinem neuesten Kriminalroman „Die linke Hand des Bösen“.

Eine ungewöhnliche Einheit von Humor und Beklemmung

Jonas Lüscher zu Gast in Krumbach. Wie die Besucher der Autorenlesung den frisch gekürten Träger des Schweizer Buchpreises erleben
Von Dr. Heinrich Lindenmayr

Hat die Jury, die jüngst Jonas Lüscher für den Roman „Kraft“ den mit 30000 Franken dotierten „Schweizer Buchpreis“ verlieh, eine gute Entscheidung getroffen? Treffen die lobenden Worte der Juroren zu, der Roman sei „fulminant, welthaltig, dringend, sprachmächtig“? Den Autor und sein Buch so kurz nach der Verleihung eines namhaften Preises zu erleben, zu prüfen und zu hinterfragen, dazu bot die Lesung im Krumbacher Schloss eine attraktive Gelegenheit. Jonas Lüscher, der auf Einladung der Buchhandlung Thurn zum Literaturherbst gekommen war, trug zwei Kapitel aus dem Roman vor und stellte sich in zwei Gesprächsrunden den Fragen des Publikums.

Amerikanisches Lebensgefühl in Mittelschwaben

Wie ein Konzert von Kamasutra mit einem effektvollen Kontrast die Besucher begeistert
Von Claudia Bader

Als der aus dem Jahr 1965 stammende Popsong „California Dreamin“ ertönte, wehte ein Hauch von amerikanischem Lebensgefühl durch den Saal des Gasthauses Munding. Nicht nur mit unsterblichen Melodien, sondern auch mit Lesungen durften die Besucher eine akustische Reise durch die Musikwelt der 60er und 70er Jahre erleben. Unter dem Leitgedanken „Looking for America“ entführte die Kultband Kamasutra im Rahmen des Krumbacher Literaturherbstes auf einen musikalisch-literarischen Trip durch das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten.“

Was man aus Geschichte lernen kann

Brigitte Riebe stellte ihren Roman „Marlenes Geheimnis“, in dem ein brennend aktueller Gegenwartsbezug zu finden ist.
Von Silia Maurer

Mehr als 20 historische Romane hat die Münchner Bestsellerautorin Brigitte Riebe verfasst. Bisher waren alle zeitlich im Mittelalter oder der Frühen Neuzeit verortet. Der neueste Roman der promovierten Historikerin „Marlenes Geheimnis“, den sie im Rahmen des Literaturherbstes in der Krumbacher Bücherei vorstellte, spielt im 20. Jahrhundert.

Die Alpenschamanin erklärt, wie die Bäume beten

Die Autorin und Heilpraktikerin Monika Herz las im Ärztehaus. Wie sie sich die medizinische Versorgung vorstellt
Von Marc Hettich

„Vor so vielen Leuten habe ich noch nie gelesen“, stellt die Frau in der grauen Strickjacke fest, die hinter einem Tisch sitzt und zunächst fast ein wenig schüchtern erscheint. Das lange, von silbergrauen Strähnen durchzogene Haar umrahmt ein Gesicht, das sehr jugendlich wirkt. Doch der klare Blick von Monika Herz deutet schon die Weisheiten an, die sie an diesem Abend aus ihrem Gedächtnis und aus ihren Büchern vorträgt.

Die rasende Spirale abwärts - Arno Frank

Wie aus der Flucht einer Familie vor Polizei und Behörden Literatur wurde.
Von Dr. Heinrich Lindenmayr

Vater beschleunigt. Das Auto rast auf einen Betonpfeiler zu. „Mitdenken! Mitdenken, verdammt.“ Das Hirn des Sohnes arbeitet fieberhaft, als ließe sich denkend Unheil bannen. Er stellt sich vor, wie in Superzeitlupe der Kühler am Stahlbeton zerschellt, die Windschutzscheibe sich am Beton in eine glitzernde Splitterwolke auflöst, der Motor „als tödlicher Roboter durch den schwarzen Kunststoff des Armaturenbrettes“ bricht.

Ein literarisches „Kamingespräch“

Barbara Strebe und Dorothea Leopold über Neues auf dem Büchermarkt
Von Manfred Keller

Herbstlaub – es zeigt sich derzeit jahreszeitlich bedingt in vielfältig farblicher Weise. Ebenso vielschichtig und nuancenreich gibt sich der Literaturherbst – und er beflügelt das Interesse an Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt. In eben so eine Lücke hat die Volkshochschule einen ihrer diesjährigen Beiträge eingebracht. Seit Jahren schon ist ein kleiner, treuer Lesezirkel formiert, der sich auf „Neues auf dem Buchmarkt“ einlässt. Das Format nennt sich „Lesen bildet“.

Ein Hauch Frankreich in Krumbach

Krimiautor Martin Walker begeistert mit „Grand Prix“. Spannung, Genuss und Lebensfreude beim Literaturherbst.
Von Brigitte Scholz

Ein besonderer und internationaler Beitrag zum Krumbacher Literaturherbst war die Lesung mit dem bekannten Autor Martin Walker. In reinstem Oxford Englisch las der Schotte aus seinem neuesten Krimi „Grand Prix“. Andreas Lüneburg ergänzte die Lesung mit Textauszügen auf deutsch. Zur heiteren Stimmung trug Marianne Baldauf mit ihren französischen Melodien auf dem Akkordeon bei. Und die Küche des Gasthofs Munding versorgte die zahlreichen Gäste, für die noch extra Stühle herbeigeschafft werden mussten, mit französischen Leckereien, wie sie in dem neuen Walker beschrieben werden. So bekam jeder Zuhörer direkt Lust auf das Buch und die Region des Perigord in Frankreich. Hier ist einfach für jeden etwas dabei: Klar, es gilt einen Mord an einem Forscher aufzuklären. Die Hauptfigur ist auch in diesem Roman Bruno Courrèges, der Chef de Police. Dieser Kommissar liebt das gute Essen und kocht auch wunderbar. Er ist schönen Frauen nicht abgeneigt, hat da aber immer ein bisschen Pech.

Panorama der Nachkriegsjahre

Wie Frank Witzel bei seiner Lesung im Krumbacher Schloss dem Zeitgefühl der späten 40er Jahre nachspürte.
Von Dr. Heinrich Lindenmayr

Frank Witzels neuer Roman „Direkt danach und kurz davor“ erschien im September. Bislang habe er nur wenige Male öffentlich daraus vorgelesen, erklärte der Autor zu Beginn seiner Lesung im Krumbacher Schloss. Taufrisch also war, was die Hörer serviert bekamen und das literarische Terrain wirkte zudem wie Neuland. Das mag vor allem daran liegen, dass Frank Witzel mit dem Schreiben eher ungewöhnliche Ziele verfolgt und deshalb zu außerordentlichen Mitteln und Techniken greift. Er will keine Geschichte erzählen, auch nicht das Seelenleben von Figuren erkunden, wie die meisten Romanciers. Ihm geht es um das Lebensgefühl einer Zeit, um Atmosphärisches, um Stimmungen, Befindlichkeiten, Denkmuster einer bestimmten Zeitspanne. In seinem 2015 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman über „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion“ hatte Witzel sich die späten 60er und 70er Jahre vorgenommen, als die bundesrepublikanische Nachkriegsordnung kräftig durcheinandergewirbelt wurde.

Wenn Krimis Wirklichkeit werden

Irmgard Braun und Andi Dick wissen: auf der Alm, da gibt’s doch a Sünd.
Von Brigitte Scholz

Für einen außerordentlich unterhaltsamen Literaturabend sorgten Irmgard Braun und Andi Dick in der Kletterhalle der Krumbacher Sektion des Deutschen Alpenvereins. Beide Autoren, ausgewiesene Experten am Berg und am Schreibtisch, stellten ihre sehr unterschiedlichen Bergkrimis vor: Andi Dicks fiktives Buch „Tod im Sommerloch“ musste noch schnell vor der nächsten Skisaison herauskommen, bevor es die Wirklichkeit einholt. In dieser Bergwelt, die schon sehr den Alpen ähnelt, gibt es unter Liftbetreibern eine „Erschließungsmafia“ und es gibt einige Tote.
Ganz anders Irmgard Brauns Bergkrimi. Da gibt es lediglich einen Toten am Tegernsee, die beschriebenen Orte und Klettertouren entsprechen der Realität.

Über schutzlose Frauen und Kinder auf der Flucht

Maria von Welser rüttelt mit ihren Erfahrungen in den Kriegs- und Krisengebieten auf.
Von Brigitte Scholz

Die engagierte Journalistin Maria von Welser war auf Einladung der Volkshochschule Krumbach und des Deutschen Katholischen Frauenbundes mit ihrem Buch „Kein Schutz – nirgends“ zu Gast in der Aula der Mittelschule. Erfreulich viele Besucher erfuhren von der großen Not der Frauen und Kinder in den Flüchtlingslagern in Nahost. Welser hat die Flüchtlingslager in der Türkei, im Libanon, in Jordanien besucht, hat das Flüchtlingslager auf Lesbos gesehen und Schicksale der Geflüchteten in Deutschland weiter verfolgt.
Es sind unvorstellbare Schicksale, die die Menschen erlitten haben.

Die dunkle Seite des Sees

Tina Schlegel sorgt bei der Lesung aus ihrem Bodensee-Krimi im Krumbacher Literaturherbst für gespannte Stille. Das hat mit der detailreichen Beschreibung, ihrer Erzählkunst und der Bekanntheit des Ortes zu tun.
Von Claudia Bader

Nahezu täglich erfährt man in den Medien von Mord und Straftaten oder verfolgt in Fernsehkrimis mysteriöse Fälle. Wenn sich diese nicht in entfernten Städten oder Gebieten, sondern in bekannter Umgebung ereignen, ist das Interesse natürlich viel größer. Bei der im Rahmen des Literaturherbstes organisierten Lesung von Tina Schlegel in der Buchhandlung „Lesen Schenken Vogt“ konnte man die knisternde Spannung spüren. Denn der neue Kriminalroman der Journalistin und Autorin „Die dunkle Seite des Sees“ spielt in Konstanz sowie der vielen Menschen vertrauten Gegend mit Schauplätzen rund um den Bodensee. Aufmerksame Stille herrscht im Raum, als Tina Schlegel in die schwüle Atmosphäre eines Jahrhundertsommers entführt.

Papierkunst im Krumbacher Schloss

Wie bei Jörg Baeseckes Aktion das Papier eine ganz andere Funktion bekam.
Von Dr. Heinrich Lindenmayr

Begeisterung im Saal, lang anhaltender Applaus, Zugaberufe, denen Zugaben folgten. Begeistert hatte das Publikum ein Mann, schlicht schwarz gekleidet, der den Abend lang nur Geschichten erzählt hatte. Schwarz-Weiß-Geschichten hatte Jörg Baesecke angekündigt.

Kleine Hände – großer Profit

Autor und Kinderarbeitsexperte Benjamin Pütter berichtete im Rahmen des Krumbacher Literaturherbstes über Indien, das die meisten Kinderarbeiter hat.
Von Claudia Bader

Jeder kauft mal – meist unbewusst – Waren, die von Kinderhänden hergestellt wurden. Denn obwohl Kinderarbeit interna-tional verboten ist, müssen Millionen Mädchen und Buben unter unwürdigsten Bedingungen für Produkte wie Teppiche, Natursteine oder Schmuck schuften, damit diese woanders günstig oder als Schnäppchen ergattert werden können. Bei manchen ahnt man nichts davon, bei anderen könnte man es nach Nachforschen eigentlich wissen.

Brückenschlag zwischen Krumbach und Ghana

Die Schriftstellerin Christine Esi Walton hat schon viel erlebt. Was ihr dabei wichtig ist und welche Beziehung sie zu Afrika hat.
Von Kornelius Launhardt

Ein kleiner Bahnhof in Niederbayern im April 1945. Die Amerikaner vermuten, dass sich Nazigrößen in einem Flüchtlingszug versteckt halten. Obwohl sich die Vermutung nicht bestätigt, werfen die Soldaten Bomben ab. Befehl ist Befehl. Inmitten des Chaos wird ein Kind geboren. Christine Esi Walton. Die Schriftstellerin kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. In den Räumlichkeiten des Snehotta Pflegeteams in Krumbach gab sie im Rahmen des Krumbacher Literaturherbstes viele persönliche Einblicke.
Im Rottal aufgewachsen, hatte sie als Kind mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. „Es war eine Armut, die man sich nicht vorstellen kann“, erzählt Walton über ihre Kindheit. Als Flüchtlingskind musste sie täglich von 6 Uhr morgens bis tief in die Nacht auf Feldern arbeiten. Für einen Hungerlohn von 50 Pfenningen. Früh musste sie schwere Schicksalsschläge wie den Tod ihrer jüngeren Schwester Roswita hinnehmen.

Was passiert, wenn man nicht zur Wahl geht?

Der Poetry Slam war Auftakt zur Interkulturellen Woche. Wie „iSlam“ zum Nachdenken anregt und ein „Krumbacher Schneeflittchen“ für Belustigung sorgt.
Von Peter Wieser

„Die Islamisierung schreitet voran.“ Nein, ganz so war es nicht gemeint. Moderator Marc Hettich von „Sub-Kult“ bezog sich dabei vielmehr auf die „Slammer“ beim Poetry Slam am Freitag im Krumbacher Stadtsaal, der Auftaktveranstaltung zur Interkulturellen Woche und des Krumbacher Literaturherbstes. „Vielfalt verbindet“, so lautet das Motto der „Interkulturellen Woche 2017“, die der Integrationsbeauftragte am Landratsamt, Meinrad Gackowski, im Anschluss eröffnete und gleichzeitig darauf einging, wie Integration und friedliches Zusammenleben verschiedener Kulturen im Focus der Gesellschaft stünden.

Von Tuten, Blasen und guten Gedanken

Lyrikerin und „Wortdompteuse“ Karin Sterner geht bei ihrer Lesung auf ­E­ntdeckungstour im scheinbar banalen Alltag.
Von Peter Bauer

Das Gefühl, dass einem Worte regelrecht „um die Ohren geblasen“ werden: Es ist in diesen bewegten, hyperaktiven Zeiten eine Art Dauerzustand. Doch „die Kunst am Mundstück, die besteht aus zahlreichen Phrasen. Wer vom Tuten was versteht, kann noch lang nicht blasen“. Oder allenfalls „heiße Luft“ möchte man hinzufügen. Es sind auch die mitunter überdrehten Befindlichkeiten der Gegenwart, die Karin Sterner in ihren Gedichten auf einfühlsame Weise ihren Zuhörern serviert.

Frankreich, Stalingrad und die Suche nach der Wahrheit

Die Liebe zwischen einer jungen Französin und einem deutschen Soldaten. Autor Nicolas Hebert gibt im Mittelschwäbischen Heimatmuseum Einblicke in eine tragische Geschichte.
Von Silvia Eisenlauer

Man merkte Nicolas Hebert bei der Lesung seines zweiten Romans „Avril 42“ (April 42) im Mittelschwäbischen Heimatmuseum an, wie sehr sein Schreiben von seiner eigenen Biografie, auch von seiner „Krumbacher Geschichte“ geprägt ist. Seit der Autor aus Nantes/Westfrankreich 2010 das erste Mal nach Krumbach gereist war, um das Rätsel um seine deutschen Wurzeln zu lösen, gebe es für ihn nichts mehr zu suchen, er habe alle seine Antworten gefunden und 2011 in seinem ersten Roman „L’Homme de Krumbach“ verarbeitet. Doch später am Abend wird Hebert in bestem Deutsch dem Publikum im prall gefüllten Saal des Heimatmuseums erklären: „Der zweite Roman ist eine Variante des ersten.“ Wovon handelt der Roman „Avril 42“? Im Kern erzählt er von der Liebe zwischen der Französin Marie und dem deutschen Soldaten Bernd (der in Stalingrad fallen wird).