Von der schwäbischen Alb nach Lappland

In der Krumbacher Stadtbücherei las Hiltrud Baier
Von Elisabeth Schmid

„Frederike trat aus der Hütte von Petter, die in den Bergen Lapplands liegt. Sie atmete tief aus und genoss die herrliche Aussicht auf den See und die Berge, sie fühlte die Stille, wenn sie ihre Augen schloss. Kein Vogelgezwitscher, kein Lüftchen, nichts, nur die Stille.“ Hiltrud Baier las in der Bücherei in Krumbach, im Rahmen des Literaturherbstes, aus ihrem Familienroman „Helle Tage, helle Nächte“ Der Roman spielt in Lappland, wo die Autorin seit 2008 mit ihrem Mann lebt. Ihre Faszination von dem Land und ihre Liebe dazu findet sich in ihrem Roman wieder.

Hauptakteure der Geschichte sind zwei Frauen, Anna, die auf der Schwäbischen Alb wohnt, und deren Nichte Frederike, die sich gerade von ihrem Mann getrennt hat. Anna ist schwer krank, sie hat Krebs. Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Darum beschließt sie, ihre Nichte zu bitten, einen wichtigen Brief zu einem gewissen Petter Svakko nach Lappland zu bringen. Frederike ist nicht begeistert, aber sie will ihrer kranken Tante den Wunsch nicht abschlagen. Per Schiff geht die Reise los. Petter ist nicht in Jokkmokk, wo er wohnt, er ist in den Bergen. Petters Sohn Micael fliegt Frederike in die Berge zu seinem Vater. Petter ist erstaunt, als die Frau vor ihm steht, scheint sie aber und auch ihre Mutter zu kennen, er sagt „komm rein, Frederike.“
Am nächsten Tag ist Petter für einige Tage verschwunden. Zurück in Frederikes Obhut lässt er seinen kleinen Hund Skaiti. Mit dem zusammen erkundet sie die Gegend und wartet auf Petters Rückkehr. Hiltrud Baier liest vor vielen Besuchern, hauptsächlich Frauen. Sie spricht mit warmer, melodischer Stimme. Sie liest nicht nur, sondern erzählt zwischendurch immer wieder von Lappland, von der Stadt Jokkmokk, in der sie ihr Zuhause gefunden hat.

Das Volk der Samen ist der Autorin ans Herz gewachsen

„Die Winter seien sehr kalt, über minus 30 Grad seien keine Seltenheit, manchmal sogar 40 Grad minus. Aber durch den Schnee ist alles hell. Die Bewohner lassen die Rollläden nicht runter, sie stellen Kerzen ins Fenster. So ist alles hell. In anderen Jahreszeiten würde es nie dunkel, aber auch das ist schön.“ Man merkt, wie sehr die Autorin Schweden und Lappland liebt. Auch die Samen sind ihr ans Herz gewachsen. Hiltrud Baier kommt noch regelmäßig nach Deutschland. Hier hat sie Freunde und Verwandte, und auch ihre Arbeit als freiberufliche Studienleiterin in Hamburg führt sie oft nach Deutschland. Hiltrud Baier ist 1960 in Heilbronn geboren. Sie ist Buchhändlerin, hat dann Germanistik und Pädagogik in Tübingen studiert, hat viele Jahre in Verlagen gearbeitet. Unter dem Namen Klara Nordin hat sie zwei Lappland Krimis geschrieben. Von den Krimis wollte sie weg, „es gibt so viele Schwedenkrimis“, meinte sie lächelnd, so entstand ihr Familien- und Liebesroman „Helle Tage, helle Nächte“.

Die Geschichte der beiden Frauen faszinierte auch das Publikum. „Frederike wartet also in den Bergen auf Petter. Den Brief, der in einem dicken Umschlag steckt, hat sie ihm gegeben. Sie wollte unbedingt wissen, was darin steht. Diese Ungewissheit machte sie völlig verrückt. Was steht im Brief, welches Geheimnis hat Tante Anna?“ Hiltrud Baier lächelt geheimnisvoll, schließt das Buch und weckt Neugier.

Quelle: Mittelschwäbische Nachrichten, 17.10.2018