Traumhafte, köstliche Provence mit Frauenleichen und Wölfen

Kochen und Krimi zwei Bücher, die einer französischen Landschaft entspringen. Was Sophie Bonnet bei ihrer Lesung bot
Von Brigitte Scholz

Beim Literaturherbst Krumbach im Bürgerhaus stellte Sophie Bonnet ihren neuesten Krimi vor und ein Kochbuch mit den Lieblingsgerichten des Ermittlers Pierre Durand.

Mit jedem Wort, jeder Geste vermittelt die Autorin Sophie Bonnet ihre Begeisterung für die südfranzösische Provence. Im Prolog für „Provenzalische Schuld“ versetzt sie die vielen Zuhörer eindrucksvoll in die Stimmung eines jungen, zauberhaften Morgens. Aber da wird eine Frau ermordet. „So“, sagt Sophie Bonnet, „das haben Sie jetzt schon mal geschafft.“ Im Krimi geht es dann um die verschwundene Frau des Bürgermeisters, der verdächtigt wird. Der Chef de Police, Pierre Durand, einfacher Polizist ohne große Befugnisse, (aber großer Genießer, der gern und gut isst) hilft bei der Suche. Eigentlich wollte er mit seiner Freundin, der Köchin Charlotte, in Urlaub fahren, aber daraus wird nichts. Bei der Suche nach der Vermissten kommt Durand in die provenzalischen Berge bei Sisteron, wo er selbst in Lebensgefahr gerät.

Immer wieder beschreibt Bonnet die vielfältige Landschaft der Provence, die rau und lieblich sein kann, mit ihren Lavendel-, Weizen- und Sonnenblumenfeldern, den unglaublichen Düften und Farben. Sie versetzt mit ihren Erzählungen die Zuhörer in die Dörfer und Städte mit winkligen Gassen, eng aneinander gebauten Häusern, Plätzen und Treppenstufen. „Die Provence ist eine Landschaft zum Entschleunigen, einfach zum Wohlfühlen.“ Der Krimi spielt sich teils in einem ausgedachten Ort ab, „damit mir kein Bürgermeister oder Tourist sagen kann: So stimmt das aber nicht.“, meint Bonnet lächelnd. Hier gibt es alles, was typisch für einen kleinen Ort ist: Burgruine, Kirche, Rathaus, Restaurant und natürlich einen Bouleplatz. Bei den Ermittlungen nach der verschwundenen Frau des Bürgermeisters geht es in die Haute-Provence, eine eher raue Gegend bei Sisteron und Gap. Sophie Bonnet führt ihre Leser gern in die verschiedenen Regionen der Provence und vermittelt dabei auch etwas von den strukturellen Gegebenheiten der Region. Hier, bei Sisteron haben sie ein richtig großes Problem mit der Rückkehr der Wölfe. Da prallen die Interessen der Schafzüchter und die Ideologien der Naturschützer brutal aufeinander. Es gibt mittlerweile 52 Wolfsrudel in dem Gebiet. Die Schafzucht wollen mittlerweile die Kinder der Züchter nicht mehr betreiben, da der Schutz der Herden zu aufwendig wird und sie finanziell nicht entsprechend entschädigt werden. Mit vielen Fragezeichen im Kopf entließ Sophie Bonnet ihre Zuhörer in die Pause, in der es Rotwein und köstliche Kleinigkeiten gab. Und das war gut so, denn danach präsentierte die Autorin das Kochbuch mit den Lieblingsgerichten des Pierre Durand. Bonnet, leidenschaftliche Hobbyköchin notierte die Rezepte, nachdem sie sie gekocht hatte und fotografierte die Gerichte auch selbst. Es sind Rezepte aus den fünf Regionen der Provence, in denen Pierre Durand bisher ermittelte. So gibt es die Bouillabaisse aus Marseille oder die Tarte mit Ziegenkäse und Tomaten aus der Hoch-Provence. Dazu zeigte Bonnet Fotos der Gerichte oder von den Märkten mit langen Knoblauchzöpfen, Kräutern, Gemüsen und Gewürzen in allen Variationen. Hier wird keine aufwendige Sterneküche beschrieben, sondern eine ehrliche und gehaltvolle Küche, aber mit der Seele der Provence. Bei der Präsentation des Schokoladenkuchens meinte ein Zuhörer: „Wann hören Sie endlich auf, uns zu quälen?“ Er sprach aus, wie es allen Zuhörern erging: Das Wasser lief einem im Munde zusammen. Nach den mitreißenden Beschreibungen der Bonnet ist in manchem sicher die Lust zum Nachkochen und auf einen Urlaub in der Provence entstanden.

Quelle: Mittelschwäbische Nachrichten, 18.10.2018