Ein Hauch Frankreich in Krumbach

Krimiautor Martin Walker begeistert mit „Grand Prix“. Spannung, Genuss und Lebensfreude beim Literaturherbst.
Von Brigitte Scholz

Ein besonderer und internationaler Beitrag zum Krumbacher Literaturherbst war die Lesung mit dem bekannten Autor Martin Walker. In reinstem Oxford Englisch las der Schotte aus seinem neuesten Krimi „Grand Prix“. Andreas Lüneburg ergänzte die Lesung mit Textauszügen auf deutsch. Zur heiteren Stimmung trug Marianne Baldauf mit ihren französischen Melodien auf dem Akkordeon bei. Und die Küche des Gasthofs Munding versorgte die zahlreichen Gäste, für die noch extra Stühle herbeigeschafft werden mussten, mit französischen Leckereien, wie sie in dem neuen Walker beschrieben werden. So bekam jeder Zuhörer direkt Lust auf das Buch und die Region des Perigord in Frankreich. Hier ist einfach für jeden etwas dabei: Klar, es gilt einen Mord an einem Forscher aufzuklären. Die Hauptfigur ist auch in diesem Roman Bruno Courrèges, der Chef de Police. Dieser Kommissar liebt das gute Essen und kocht auch wunderbar. Er ist schönen Frauen nicht abgeneigt, hat da aber immer ein bisschen Pech.

Sein Kriminalfall ist von besonderer Brisanz, sodass der Geheimdienst eingeschaltet wird und damit seine ehemalige Freundin aus Paris kommen muss. Es geht um Geldwäsche und der damit verbundenen Finanzierung des Terrorismus. Und um das verschollene, teuerste Auto der Welt, dem Bugatti Type 57 SC Atlantic, Baujahr 1938. Dieses sagenhafte Auto verschwand während des 2. Weltkriegs bei der Evakuierung auf dem Weg vom Elsass nach Bordeaux, genau wie die Gemälde bekannter Expressionisten aus dem nahen kleinen Schloss. Es gilt die Geheimnisse aufzuklären.
Ein Autorennen wird organisiert, bei dem auch teure Oldtimer starten. Wenn Walker beschreibt, wie ein Oldtimer mit einem riesigen Laster gebracht und mit aufdröhnendem Motor gestartet wird, und der wie bei Oldtimern üblich, erst einmal abstirbt, so hat man die Szene wirklich vor Augen. Passagen des Autorennens liest er so lebendig, dass man die halsbrecherische Fahrt direkt miterlebt. Seine Schilderungen sind mitreißend, auch das „Drumherum“ wie Land und Leute, die Früchte aus den Gärten, Feldern und Wäldern führt er uns bildhaft vor Augen. Die Zuhörer erfuhren, dass es in der Dordogne Störe gibt, die Kaviar liefern, mit dem der Kommissar seine Besucherin verwöhnt. Trüffel und Gänse werden nicht vergessen; auch ein Rezept für Flusskrebs präsentiert Walker. Da ist es kein Wunder, dass er auch ein sehens- und lesenswertes Kochbuch herausgebracht hat. „In Frankreich schüttelt man den Kopf darüber, dass ein Schotte ein prämiertes französisches Kochbuch schreibt“, meinte Walker.
Die Spannung um den legendären Bugatti hielt Martin Walker aufrecht, sodass die Zuhörer entweder mit einigen Fragezeichen heimgingen oder sich gleich das Buch kauften. Während der Pause spielte Marianne Baldauf wieder Musettewalzer und Martin Walker forderte zur Freude des ganzen Saals Christine Deubler, Mitorganisatorin des Abends, zum Tanz auf. Am Ende der Lesung sang Martin Walker ein Chanson von Jaques Brel, und die restlose Begeisterung des Publikums war ihm sicher.

Quelle: Mittelschwäbische Nachrichten, 25.10.2017