Eine spannende Reise in die Zeit Martin Luthers

Asta Scheib las in der Apostelkirche über eine Zeit, „die unvorstellbar grausam war“.
Von Josef Osteried

„Diese Kirche ist besonders schön. Da kann man Sie beneiden.“ So begann Autorin Asta Scheib, Jahrgang 1939, Frau eines Pfarrers, und sie nahm ihre Zuhörer in der Apostelkirche, die bis auf den letzten Platz gefüllt war, auf eine Zeitreise mit: 500 Jahre zurück in die Zeit Martin Luthers.

Es war eine Zeit, so die Autorin zweier historischer Romane über den jungen Luther und über die Ehe Luthers mit Katharina von Bora, es war „eine Zeit, die unvorstellbar grausam war“. „Frauen, junge Mädchen, Kinder waren schutzlos ausgeliefert.“ Im Mittelpunkt der Erziehung, auch der des jungen Martin, stand die Angst vor dem Teufel, eine Angst, die Luther ein Leben lang begleiten sollte.

Angst hatte er auch vor den Schlägen und Demütigungen seiner Eltern, die glaubten, durch Härte aus ihm einen guten Menschen machen zu können. „Martin versuchte, seine Blessuren wenigstens vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Oft flüchtete Martin zu einem Baum, der ihm als Zufluchtsort diente.“ Mütterliche Liebe erfährt Martin jedoch von Berbelin, die als Haushaltshilfe und Kindermädchen bei den Luthers wohnte. Eine glückliche Zeit verbringt Martin mit Madlen, in die er sich verliebt. Eine Ehe verhindern jedoch die Eltern und die Jahre des Studiums. Luther fallen schon früh die Widersprüche zwischen den Lehren der Kirche und dem Lebenswandel ihrer Vertreter (Völlerei, Unzucht, Geldgier) auf.
Der Erzählstil des Romans „Sturm in den Himmel“ ist flüssig, leicht verständlich und warmherzig, wie die Autorin selber. „Lasst uns miteinander Kinder des Ungehorsams sein und den Himmel stürmen.“ Mit diesen Worten hatte Pfarrer Eugen Ritter die Lesung eingeleitet, die Lesung, die auf gebannte Aufmerksamkeit stieß. Eine Lesung, die neben Eugen Ritter Christine Däubler von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde, Johanna Herold von der Volkshochschule und Anita Roth vom Mittelschwäbischen Heimatmuseum zu verdanken ist.

Asta Scheib las auch aus ihrem zweiten Lutherbuch „Kinder des Ungehorsams“ vor. Der entlaufene Mönch, die entlaufene Nonne wollen heiraten – Widerstände von allen Seiten. Aber Widerstände machen die beiden nur entschlossener. Mit großem Einfühlungsvermögen erzählt Scheib die Geschichte der Ehe dieser beiden außergewöhnlichen Menschen, Martin Luther und Katharina von Bora, vor allem aus der Sicht der Frau. Reizvoll begleitet wurde die beeindruckende Lesung von Gertrud Wenz an der Harfe.

Quelle: Mittelschwäbische Nachrichten, 4.12.2017